Ein Artikel aus der Sendung “Puls” – www.sf.tv

Fruchtzucker schädlicher als weisser Zucker?
Sie suggerieren Natürlichkeit und Gesundheit dank Fruchtzucker (Fruktose): Wellnessgetränke, Joghurts, Müesli, Müesliriegel, Diätprodukte und Kinderschleckereien.
Doch es gibt immer mehr Hinweise, dass Fruktose in hohen Mengen gesundheitliche Schäden verursachen kann. Zahlreiche Studien zeigen, dass weisser Zucker nicht einfach durch Fruchtzucker ersetzt werden sollte.
Fruktose macht dick
Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam fütterten acht Wochen lang Mäuse mit Softdrinks mit normalem Haushaltszucker. Eine andere Gruppe erhielt reine Fruktose-Lösung. Die Mäuse mit der Fruktose-Lösung setzten zehn Prozent mehr Fett an. Sie tranken viel mehr als die anderen. Als Grund vermuten die Forscher: Fruchtzucker löst im Gegensatz zu Traubenzucker keine Insulin-Ausschüttung aus. Insulin aber löst im Gehirn ein Sättigungsgefühl aus. Fehlt dieses Signal, wird einfach weiter gegessen. Uebergewicht ist die logische Konsequenz. Ausserdem hatten die Mäuse im Potsdamer Versuch eine Fettleber bekommen.
Fruktose macht Gicht
Fruktose ist der einzige Zucker, der die Harnsäure ansteigen lässt. Und erhöht damit das Risiko für Gicht und Nierensteine. Möglicherweise auch für Bluthochdruck und Arteriosklerose und das sogenannte metabolische Syndrom (Übergewicht, Neigung zu Altersdiabetes und Störungen des Fettstoffwechsels)
Fruktose verschlechtert die Blutfette
Neueste Forschungen an jungen, gesunden Menschen zeigen: Je höher der Fruchtzuckerkonsum, desto grösser die Zahl von kleinen LDL-Partikeln (”schlechtes” Cholesterin) im Blut. Gleichzeitig sinkt das “gute” Cholesterin HDL. Eine solche Veränderung der Blutfette erhöht langfristig das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten.
Fruchtzucker Bestandteil des Haushaltszuckers
Was viele nicht wissen: Fruchtzucker ist nicht nur der Zucker aus Früchten. Fruchtzucker ist auch Bestandteil des normalen weissen Haushaltszuckers. Dieser besteht je zur Hälfte aus Traubenzucker und Fruchtzucker.
Schlechtere Verwertung
Der menschliche Körper kann den Furchtzucker schlechter verwerten als den Traubenzucker. Während Traubenzucker als Energielieferant für den Betrieb von Muskeln und Gehirn sorgt, wird Fruktose in der Leber zu Glukose oder Fetten umgebaut. Was zu viel rein kommt, setzt die Leber teilweise direkt in Fett um. Was wiederum zur Erhöhung der Blutfette führt, vor allem der Triglyzeride führt.
Deklaration
Bei vielen Lebensmitteln ist es nämlich schwierig, auf Grund der Inhaltsangaben den genauen Fruktose-Anteil herauszulesen. In der Schweiz muss gesetzlich nur die Zugabe von reinem Fruchtzucker deklariert werden. Dieser wird chemisch hergestellt, aus Haushaltszucker gewonnen und industriell aus Mais produziert. Wieviel Fruchtzucker ein Liter Apfelsaft enthält, wieviel ein mit Fruchtsäften gesüsstes Lebensmittel, das bleibt dem Konsumenten verborgen.
Gesundes Mass
Das heisst jetzt aber nicht, dass man kein Obst und Gemüse mehr essen sollte. Im Gegenteil: Der Apfel zwischendurch bleibt wichtiger Bestandteil einer gesunden Ernährung. “Die Konzentration des Fruchtzuckers in Früchten ist zu gering, um die Gesundheit zu gefährden,” sagt David Fäh vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin in Zürich. Wer isst schon mehr als zehn Aepfel pro Tag? So viel müsste man zu sich nehmen um die kritische Menge Fruchtzucker zu erreichen.
Wieviel Fruchtzucker ist gesund?
Auch wenn sich keine genaue Risiko-Menge festlegen lässt, raten Ernährungsexperten zu Zurückhaltung: Mehr als 50 Gramm Fruchtzucker pro Tag sollte man nicht zu sich nehmen. “Auffällige Veränderungen der Blutfette haben wir bei gesunden jungen Männern ab einer Menge von täglich 1,5 Gramm Fruktose pro kg Körpergewicht festgestellt,” erklärt Fäh. Bei einem 70-Kilogramm schweren Mann entspricht das 100 Gramm Fruktose pro Tag. Mit zwei Litern Süssgetränken ist das bereits erreicht. Auch gewisse aromatisierte Tafelwasser enthalten bis zu 45g Fruktose pro Liter. Das entspricht zirka dem Fruchtzuckergehalt von zehn Orangen oder sieben Äpfeln.
Fazit
Verteufeln wollen die Ernährungsexperten die Fruktose trotzdem keineswegs. Wie überall geht’s ums richtige Mass. Zuviel ist ungesund. Und das gilt für Fruchtzucker noch mehr als für Haushaltszucker.
Fruktose-Gehalt einzelner Lebensmittel, pro 100 g
Diabetikerschokolade 55 g
Honig 36
Rosinen 33
Aepfel getrocknet 30
Banane getrocknet 11
Diät-Konfitüre/Marmelade 11
Frucht-Honig-Riegel 10
Weintrauben 8
Traubensaft 7
Mango 7
Birne 7
Diäterdbeerjoghurt 6
Cornflakes mit Zucker/Honig 6
Apfelsaft 6
Apfel/Kernobst 6
Müesli mit Milch, Zucker und Obst 5
Limonaden 5
Zitrusfrüchte 4
Orangensaft 4
Mineral mit Geschmack (Nearwater-Produkte) 1-4
Links:
Externer Link http://www.fructose.at/pdf/booklets/fructose_tabelle.pdf
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Dr. med. Kaspar Berneis
Universitätsspital Zürich
Klinik für Endokrinologie, Diabetologie & klinische Ernährung
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dipl. Ernährungsberaterin HF
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