Die scheinbar ausgestorbene schwarz-weisse Freiburgerkuh könnte wieder aufgetaucht sein. Seit 1975 das letzte Exemplar der aus Gruyère stammenden Kühe geschlachtet wurde, hatte man wenig Hoffnung auf ein Wiedersehen mit der Rasse. Bei der 1982 unter anderem aus diesem Grund gegründeten Stiftung ProSpecieRara wollte man aber nicht aufgeben, “Verwandte” zu finden.
Das Einkreuzen der grösseren und leistungsfähigeren, ebenfalls schwarz-weiss gefleckten Holsteinkühe in die alte Schweizer Rasse bekam damals die Freiburger Bevölkerung nicht mit. So ging die kulturelle Identifikation des Kantons Freiburg unbemerkt in eine neue Rasse über.
Verblüffende Ähnlichkeit einer Kuhrasse im chilenischen Patagonien
Als der pensionierte Ökonom Roger Pasquier aus Bulle 2005 und 2007 den Süden Patagoniens bereiste, um die Spuren seiner um 1880 ausgewanderten Vorfahren zu verfolgen, traf er auf Kühe, die der aus seiner Jugend bekannten Rasse stark ähnelten. Er erinnerte sich, wie auf dem Hof seines Grossvaters genau solche grob schwarz-weiss gezeichnete, gedrungene, muskulöse Kühe mit trichterförmigem Euter gemolken hatte.
Mit dieser Entdeckung beschäftigt sich ProSpecieRara seit dem Frühling 2008 mit dem Thema. Aufmerksam wurde die Stiftung durch das Bekanntwerden der Recherchen von Annick Monod von der westschweizer Zeitung “La Liberté.”
Eine Exportstatistik belegt, dass zu dieser Zeit Freiburger Fleckvieh nach Chile exportiert wurde. Um aber feststellen zu können, ob die in Patagonien entdeckte Kuhrasse tatsächlich Schweizer Abstammung ist, forscht ProSpecieRara zusammen mit der Landwirtschaftlichen Hochschule Zollikofen und der Universität Bern und sucht nach “Beweismaterial” für die Weiterexistenz der Freiburgerkuh. Anhand von Blutproben versucht man Nachweise zu erbringen. Leider gibt es kein Referenzerbgut der ehemaligen Freiburgerkuh mehr, um die Proben damit zu vergleichen. Nun sucht man Hörner, Knochen, Haut und Fell von Kühen aus der Zeit vor 1970.
Macht eine Wiederansiedelung der Rasse Sinn?
ProSpecieRara befürwortet eindeutig die genetische Rekonstruktion der verschwundenen Viehrasse. Aufgetauchte Spermaproben aus den frühen 80er Jahren vom Stier “Benz” aus dem wohl letzten Freiburgerkuh-Betrieb mit grossen Anteil Freiburgerkuh-Genetik machen Hoffnung, dass mit den in Chile entdeckten Kühen zusammen die Freiburger Kuh wieder aufleben kann.
Mehr als nur Genetik
Die Rettung von verloren gegangener Genetik ist ein zentrales Ziel. Wertvoll ist aber auch das mit den traditionellen Kühen verbundene Kulturgut. Das ursprüngliche Schwarzfleckvieh, ein eigentlicher Sympathieträger und Wappentier eines ganzen Kantones gilt seit über 30 Jahren als ausgestorben. Dass eine der bekanntesten Schweizer Kuhrassen wieder lebendig auf die Weiden des Freiburgelandes zurückkehren könnte, ist eine grosse Motivation für das Projektteam.
Über die erste Expedition zu den Freiburgerkühen in Chile können weitere Informationen abgerufen werden: http://www.prospecierara.ch/Generator.aspx?tabindex=9&tabid=898&palias=default