Warum ist der Hund der beste Freund des Menschen? Warum machen Haustiere glücklich? Warum sind Tierhalter psychisch stabiler und physisch gesünder? Die Antwort auf all diese Fragen könnte ein Liebeshormon sein. Die Fachzeitschrift “New Scientist” berichtete darüber.
Japanische Forscher haben bei einem Experiment feststellen können, dass Hundehalter, die sich mit ihrem Tier oft und intensiv beschäftigen, von vielfältigen positiven Effekten ihrer Mensch-Tier-Beziehung profitieren. Ein Effekt ist die Ausschüttung des Liebeshormons Oxytocin. Der Botenstoff wird normalerweise mit Liebe, Treue und Mutter-Kind-Beziehung assoziiert. Die höchsten im menschlichen Urin bestimmten Werte hatten Hundebesitzer, die im Spiel den meisten Blickkontakt pflegten. Die 55 Testpersonen gaben sich bei der Befragung auch zufriedener mit der Beziehung zu ihrem Tier als andere, die weniger Blickkontakt pflegen. Offenbar leben Mensch-Tier-Beziehungen genauso wie Mensch-Mensch-Beziehungen von Blicken und Gesten der Zuwendung. Reinhold Bergler, Professor an der Universität Bonn erklärt: „Wie unter Menschen ist auch hier gestörter Blickkontakt ein Zeichen für fehlende Beziehungsqualität.“
Dass das Halten von Haustieren positive Auswirkungen auf unser Gemüt hat, ist allgemein bekannt. Menschen, die sich einsam fühlen, wie etwa Scheidungskinder, Menschen mit Behinderung oder Senioren im Heim, finden in einem Haustier teilweise Mensch-Ersatz. Gefühle wie Zärtlichkeit und Geborgenheit können durch die Beziehung zu einem Tier bis zu einem gewissen Punkt ausgeglichen werden.
Bergler sieht als wichtigste Bedingung für das Gelingen einer Mensch-Tier-Beziehung das Eingehen auf die Bedürfnisse des Tieres. Ein Hund beispielsweise benötigt nicht nur regelmässige Spaziergänge, sondern auch geistige Beschäftigung im Spiel. Er soll Aufgaben haben, wie das Suchen eines Gegenstandes, Apportieren oder kleine Kunststücke lernen. Ein Mensch soll sich genügend Zeit für diese Bedürfnisse, so wie für eine Artgerechte Haltung und Pflege seines Tieres nehmen. Wer ein Tier nur für seine eigenen Zwecke, seine eigenen Glücksgefühle halte, betreibe Tierquälerei, so Bergler.
Bei Tiergerechter Haltung und viel gemeinsam verbrachter Zeit profitieren also Mensch und Tier gleichermassen von der Beziehung. Das Tier bekommt die benötigte Zuwendung und Aufmerksamkeit und der Mensch zusätzlich das Liebes- und Bindungshormon, das bekanntlich für Wohlbefinden sorgt. Der Studienleiter Takefumi Kikusui vermutet: “Vielleicht haben Hunde und Menschen gleiche soziale Codes wie den Augenkontakt und Handgesten entwickelt.” Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum der Hund seit seiner Domestikation so einfach gelernt hat, sich dem Menschen anzupassen.